Menü

Sonntagsimpulse

Hier finden Sie jeden Sonntag einen Impuls zur Lesung oder zum Evangelium

25.10.2020 - 30. Sonntag im Jahreskreis 

Evangelium Mt 22,34-40

Image by PublicDomainPictures from Pixabay

In jener Zeit, als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte,kamen sie am selben Ort zusammen.  Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn versuchen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

 

Nachgedacht:

„Er tat niemandem etwas – also auch nichts Gutes.“ So las ich mal irgendwo. Doch keiner ist eine Insel, die anderen gehören zu meinem Leben dazu, auch Gott.

Das Evangelium macht deutlich, dass ich Frömmigkeit nicht gegen Solidarität ausspielen kann. Umgekehrt gilt, dass der Einsatz für andere nicht meine Beziehung zu Gott ersetzen kann – gleichgültig wie diese sich aktuell gestaltet.

Um das „Doppelgebot der Liebe“ zu leben, muss  ich das innere Gehör trainieren. Das Nötige und Notwendige zeigt sich oft nur auf den zweiten Blick! Ich soll „ganz Ohr“ werden für die Anrufe dieser Zeit und meines Lebens. Wie ich dann zu reagieren habe – auch dafür gibt es keine fertigen Antworten. Es braucht einen gleichzeitigen Blick auf den Menschen und auf Gott.

Das ist der tägliche Slalom christlichen Daseins.


18.10.2020 - 29. Sonntag im Jahreskreis 

Evangelium Mt 22, 15-21

Image by PublicDomainPictures from Pixabay

In jener Zeit
kamen die Pharisäer zusammen
und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen.
Sie veranlassten ihre Jünger,
zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen
und zu sagen: Meister,
wir wissen, dass du die Wahrheit sagst
und wahrhaftig den Weg Gottes lehrst
und auf niemanden Rücksicht nimmst,
denn du siehst nicht auf die Person.
Sag uns also:
Was meinst du?
Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen,
oder nicht?
Jesus aber erkannte ihre böse Absicht
und sagte: Ihr Heuchler,
warum versucht ihr mich?
Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt!
Da hielten sie ihm einen Denár hin.
Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das?
Sie antworteten ihm: Des Kaisers.
Darauf sagte er zu ihnen:
So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört,
und Gott, was Gott gehört!

 

Nachgedacht

Das heutige Nachgedacht stammt vom Bibelfenster aus Osnabrück. Ein Blick auf die Seite lohnt sich: Bibelfenster aus Osnabrück

Zwei Männer, die sich nie im Leben begegnet sind: Tiberius Claudius Nero (+37)  und Jesus von Nazaret (+30). Der eine Kaiser in Rom und Herrscher über ein enormes Imperium. Der andere ein wandernder Prediger, im Erstberuf Bauhandwerker. Der eine wohnhaft in Rom, der andere ohne festen Wohnsitz im Gebiet von Galiläa und Judäa, in zwei entlegenen römischen Provinzen. Der eine wohnt im Nabel der Welt, der andere … nun … er wirkt am Ende derselben.

Die Frage, die Jesus in der Erzählung nach Matthäus kontert, ist eine hoch politische. Man will ihn festnageln: „Mit wem hältst Du es?“ Es gibt und gab zu allen Zeiten Menschen, die sich für die „Partei Gottes“ halten und dementsprechend Druck ausüben. Jesus lässt sich nicht auf’s Glatteis führen. Mit einer gewissen Schlitzohrigkeit und Bauernschläue manövriert er die Politprofis und Religionsgelehrten aus.

Es ist derselbe Jesus, der in der Bergpredigt nach Lesart des Matthäus, nichts besitzt, die Armen selig preist und Menschen ermutigt, jeden Tag neu, allein Gott die Sorge für das eigene Dasein anzuvertrauen.

Und Jesus scheint mit einem Augenzwinkern zu sagen: „Nun gut, wenn der große Meister in Rom rundes Metall mit seinem Namen und Bild unter das Volk bringen lässt, dann darf er es auch wieder einsammeln. Ist ja sein’s. Und wenn es ihn dann glücklich macht; ja, dann in Gottes Namen.“

Aber der Nachsatz des heutigen Textes zeigt, dass es Jesus sehr ernst in dieser Sache meint: „Missbraucht Gott nicht für eure Zwecke! Und wären sie noch so von nationaler, politischer oder gar religiöser Bedeutung.“ Das sei auch heute allen ins Stammbuch geschrieben, die mit Fundamentalismus und Intoleranz engagierte und kompromissfähige Politik aus christlicher Verantwortung diffamieren.

Jesus lebt vor, wie Gott wirklich geehrt wird: In der Zuwendung zum Ausgeschlossenen, im Vertrauen darauf, dass dieser Gott seine neue Welt auf jeden Fall durchsetzen wird und im Glauben, dass ich von ihm geliebt bin – ohne Vorleistung, bedingungslos und trotz meines häufigen Versagens. Alles andere ist nebensächlich.


11.10.2020 - 28. Sonntag im Jahreskreis 

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Evangelium Mt 22,1-10

Jesus antwortete und erzählte ihnen ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen. Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um. Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig. Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein! Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.

 

Nachgedacht:

„Muss ich irgendwas mitbringen?“ – „Nur gute Laune.“ – „Hab dann abgesagt …“ Ein sogenannter Sponti-Spruch.

Das Evangelium des Sonntags handelt von Absagen. Wer etwas will, findet Wege, wer keine Lust hat, benennt Gründe.

Habe ich Lust zum zum Leben? Will ich die Lust am Leben lernen? In seiner Regel fragt der Ordensgründers Benedikt von Nursia: „Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?“ Das ist ein Zitat aus Psalm 34. Es geht also um eine alte Frage.

Von Jesus kann man die christliche Art des Menschseins lernen. Das ist wichtiger als die Diskussion, ob in der Kirche alles bleiben darf wie bisher. In dieser Zeit der Pandemie werden Christen auf das zurück geworfen, was sie wirklich suchen und brauchen.

Gott hält seine Einladung zum Leben mit Jesus weiter aufrecht.


04.10.2020 - 27. Sonntag im Jahreskreis - Erntedank 

Evangelium Mt 21, 33-44

Bild von truthseeker08 auf Pixabay

In jener Zeit
sprach Jesus zu den Hohepriestern
und den Ältesten des Volkes:
Hört noch ein anderes Gleichnis:
Es war ein Gutsbesitzer,
der legte einen Weinberg an,
zog ringsherum einen Zaun,
hob eine Kelter aus
und baute einen Turm.
Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer
und reiste in ein anderes Land.
Als nun die Erntezeit kam,
schickte er seine Knechte zu den Winzern,
um seine Früchte holen zu lassen.
Die Winzer aber packten seine Knechte;
den einen prügelten sie,
den andern brachten sie um,
wieder einen anderen steinigten sie.
Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal;
mit ihnen machten sie es genauso.
Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen;
denn er dachte:
Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.
Als die Winzer den Sohn sahen,
sagten sie zueinander: Das ist der Erbe.
Auf, wir wollen ihn umbringen,
damit wir sein Erbe in Besitz nehmen.
Und sie packten ihn,
warfen ihn aus dem Weinberg hinaus
und brachten ihn um …

 

Nachgedacht:

Das Verhältnis von Juden und Christen ist belastet. Als sich die ersten christlichen Gemeinden bildeten, wurde nicht mit Polemik auf beiden Seiten gespart, aber die Christen haben zusammen mit der weltlichen Macht diese oft in Gewalt ausufern lassen.

Der Verfasser des Matthäusevangeliums wirft der jüdischen Oberschicht den Mord an Jesus vor.

Dabei wird ausgeblendet, dass nach christlicher Lehre Jesus doch eigens für die Menschen und ihrer Sünden wegen gestorben ist. Dieser Text ist ein Zeugnis frühen Antijudaismus!

Ich denke nach: Was trage ich an Ressentiments und Vorurteilen gegenüber anderen Religionen, Konfessionen und Kulturen in mir? Werde ich der Botschaft Jesu von der Gewaltlosigkeit gerecht?

Ich habe einen Weinberg geerbt, der nicht nur mir, sondern auch anderen zur Freude werden soll …


27.09.2020 - 26. Sonntag im Jahreskreis 

Evangelium Mk 9,17-24

Bild von reenablack auf Pixabay

Einer aus der Menge antwortete ihm: Meister, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht. Er ist von einem stummen Geist besessen; immer, wenn der Geist ihn überfällt, wirft er ihn zu Boden und meinem Sohn tritt Schaum vor den Mund, er knirscht mit den Zähnen und wird starr. Ich habe schon deine Jünger gebeten, den Geist auszutreiben, aber sie hatten nicht die Kraft dazu. Da sagte er zu ihnen: O du ungläubige Generation! Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen? Bringt ihn zu mir! Und man führte ihn herbei. Sobald der Geist Jesus sah, zerrte er den Jungen hin und her, sodass er hinfiel und sich mit Schaum vor dem Mund auf dem Boden wälzte. Jesus fragte den Vater: Wie lange hat er das schon? Der Vater antwortete: Von Kind auf; oft hat er ihn sogar ins Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Doch wenn du kannst, hilf uns; hab Mitleid mit uns! Jesus sagte zu ihm: Wenn du kannst? Alles kann, wer glaubt. Da rief der Vater des Knaben: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

 

Nachgedacht

Das Gegenteil von „Glaube“ ist nicht der „Unglaube“. Zu glauben ist eine Frage der Beziehung zwischen dem Menschen und Gott. Ich glaube nicht daran, dass es Gott oder Jesus gibt, sondern ich glaube ihnen ihre Liebe und ihre Freundschaft zu mir. Das Gegenteil von „glauben“ wäre somit auch nicht das „Zweifeln“. Das Gegenteil von glauben ist, mich nicht von der Liebe und Freundschaft des drei-einen Gottes berühren lassen zu wollen. Gefährlicherweise kann man das auch tun, wenn man guter Katholik ist. Manche fromm scheinende und jahrelang geübte kirchliche Praxis erstickt den eigenen Glauben, das persönliche „Ich-glaube-Dir-mein-Gott“.

„Ich glaube, Herr. Hilf meinem Unglauben!“ Das ist Ausdruck des Ringens, meinen Weg zu Gott zu finden. Tröstlich ist, dass Gott jedoch schon vorher bei mir ist.


20.09.2020 - 25. Sonntag im Jahreskreis 

Evangelium Mt 20,1-16

Bild von PIRO4D auf Pixabay

Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten! Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denar. Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt. Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir.  Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin? So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.

 

Nachgedacht:

Jesus provoziert die Zuhörer mit der Aussage, dass Gott keiner ist, dem man mit Ansprüchen entgegentreten kann. Vielmehr darf er ungerecht genannt werden, wenn man die Kriterien anlegt, welche landläufig gemeint sind, um Gerechtigkeit zu umschreiben.

„Wer viel schafft, dem steht auch viel zu!“ Mit diesem Fehlschluss räumt Jesus auf. Denn im Umkehrschluss würde das bedeuten „Wer nichts schafft, ist selber schuld!“ Der Gott, von dem Jesus spricht hebelt alle gängigen Regeln und Vorstellungen einer Leistungsgerechtigkeit (und auch Leistungsfrömmigkeit!) aus. Gott handelt eben nicht so wie wir meinen, dass er es müsste – und das ist auch gut so.

Jeden Tag wird neu ausgehandelt, was am Ende der Lohn sein wird. Aber Gott ist kein Ausbeuter. Auch ein Scheitern wird mich vor ihm nicht hungrig lassen.


13.09.2020 - 24. Sonntag im Jahreskreis 

Lesung Röm 14-7-9

Fotos von Alexas_Fotos und ErikaWittlieb auf Pixabay

Denn keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende.

 

Nachgedacht:

Keiner von uns lebt sich selber
und keiner stirbt sich selber:
Leben wir,
so leben wir dem Herrn,
sterben wir,
so sterben wir dem Herrn.
Ob wir leben oder ob wir sterben,
wir gehören dem Herrn.
Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden,
um Herr zu sein über Tote und Lebende.

Beim „Wettlauf zwischen Hase und Igel“ gibt die Pfiffigkeit des Unterlegenen am Ende den Ausschlag zum Erfolg. Indem der Igel seine Frau als Ebenbild am Ende der abgestreckten Laufstrecke platziert, wird dem Hasen signalisiert, dass er nur der zweite ist.
Wir stehen auf der Siegerseite. Salopp formuliert bedeutet das: Wer uns was will, muss zuerst an Jesus Christus vorbei!
Jesus ist der Gott schlechthin. Zu seinem Gottsein gehört, dass er die, die sich zu ihm bekennen, durch Höhen und Tiefen zum Leben führt. Er bekennt sich nicht nur zu den Seinen, sondern ist ihr Garant, Anwalt, ja ihr Bodyguard gegen äußere wie innere Anklagen und Verurteilungen.


06.09.2020 - 23. Sonntag im Jahreskreis 

Evangelium Mt 18,15-20

Bild von Michal Jarmoluk auf Pixabay

Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.  Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.  Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

 

Nachgedacht:

Schadet mein persönliches Verhalten dem Erscheinungsbild der Kirche?

Kaum einer würde diese Frage mit „Ja“ beantworten. Wenn ich mit Menschen in Streit gerate oder wenn ich einem einzelnen Menschen durch üble Nachrede oder Diebstahl schade, dann – so die landläufige Meinung – habe ich das ausschließlich mit dem Betroffenen zu klären.

Das Evangelium sieht das anders: Das Verhalten jedes einzelnen wirft ein gutes Licht oder einen verdunkelnden Schatten auf die Kirche!

Diese Sicht ist heute befremdlich. Christ und Gemeindemitglied zu sein ist ja eine ausschließlich private Angelegenheit. Eine mögliche Zurechtweisung würde als Einmischung verstanden und zurückgewiesen werden.

Dieser Text fordert uns heraus, darüber nachzudenken, ob das eigenes Verhalten eine Werbung für Kirche und Gemeinde ist.


30.08.2020 - 22. Sonntag im Jahreskreis 

Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay

Evangelium: Mt 16,25-27

Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.

 

Nachgedacht:

Ein derzeitiges Modewort lautet „Selbstoptimierung“. Der eigene Körper muss durch Training verbessert, die berufliche Karriere durch Fortbildung und Zurückstellung des Privaten vorangetrieben werden. Koste es, was es wolle.

In alten Zeiten nannte man das „Selbstheiligung“ und rückte sich mit Geißel, Fasten und Gebetswachen zu Leibe – gemäß dem Apothekermotto „Viel hilft viel!“

Nicht ich selber sein dürfen ist aber kein Gewinn, sondern eine Verarmung. Denn Gott hat mich ja als den oder die gewollt als der oder die ich mich im Spiegel erkenne oder deren Gewichtsanzeige mir auf der Waage entgegen grinst.

Jesus sagt im Evangelium: Du bist einmalig und ohne Dich ist alles unvollständig. Mein Dasein ist für die Mitmenschen von Bedeutung. Sie haben ein Anrecht auf mich – im Original, nicht als Kopie.


23.08.2020 - 21. Sonntag im Jahreskreis 

Evangelium: Matthäus 16,13-20

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Menschen den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein. Dann befahl er den Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei.

 

Nachgedacht:

“Wer bin ich?” Eine verständliche Frage. Der junge Mensch stellt sie und auch der Erwachsene wird bei ernsthafter Lebensführung die Suche nach sich nicht los. „Wer bin ich?“ Die Frage zielt auf das Innere, nicht auf das Image einer Person.

Jesus ist dieses innere Ringen nicht fremd. Er will wissen, wie ich ihn einschätze. So fragt er auch nach dem, wie ich mich selbst betrachte. Falls die Antwort lautet: „Ich sehe dich als den Gott, den ich für mein Leben brauche …“ sagt das mehr über mich als über ihn aus. Ich gebe dann zu, dass mir etwas fehlt, wenn er in mir keinen Platz hat. Der Mensch Jesus verbindet mich mit der Hoffnung auf den Gott, der mein Leben kennt und trägt.

“Wer bin ich – und zwar für dich?” Ich kann mich vor einer Antwort drücken, aber dann lerne ich mich selber niemals kennen.


16.08.2020 - 20. Sonntag im Jahreskreis 

Evangelium: Matthäus 15,21-28

Bild von Michael Gaida auf Pixabay

Jesus ging weg von dort und zog sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. Und siehe, eine kanaanäische Frau aus jener Gegend kam zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Schick sie fort, denn sie schreit hinter uns her! Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Doch sie kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen. Da entgegnete sie: Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

 

Nachgedacht:

“Nichts hat sich in mir entwickelt
es sei denn unter dem Blick
und dem Einfluss einer Frau.”

Das Wort des Jesuiten Teilhard de Chardin passt gut zum heutigen Evangelium

Denn Jesus hat von Frauen gelernt. Sie haben ihm geholfen, den Blick zu weiten und die Enge der jüdischen Männergesellschaft zu sprengen. Letztlich wurde nur so seine Botschaft zu dem, was sie heute ist.

Die mutige Fremde, die vom Gott des Jesus von Nazareth ihr Recht einfordert, gibt ein starkes Zeugnis. In anderem Volk und fremder Religion lebend, steht sie dafür, dass es nicht ein leeres Versprechen bleiben darf, dass Gott alle Menschen gleich liebt. Jesus musste lernen, über seinen Schatten zu springen und sich und sein Wort ernst zu nehmen.

Das wird er auch bei mir tun, wenn ich ihm mutig, lange und laut auf die Nerven gehe.


09.08.2020 - 19. Sonntag im Jahreskreis 

Evanglium: Matthäus 14,22-33

Bild von Ulrich B. auf Pixabay

Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, drängte er die Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten. Als es Abend wurde, war er allein dort. Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Petrus erwiderte ihm und sagte: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme! Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und kam über das Wasser zu Jesus. Als er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst. Und als er begann unterzugehen, schrie er: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du.

 

Nachgedacht:

„So nahe war uns der Herr vielleicht noch nie, weil wir noch nie so ungesichert waren.“ Das Wort von Pedro Arrupe SJ ist aktueller denn je in diesen Monaten.

Leere Kirchen, erlahmtes gemeindliches Leben. Ist das der Vorgeschmack auf die Zukunft? Selbst wenn alles wieder wird wie vor der vor der Pandemie: rosig werden die Zeiten bestimmt nicht!

Die Jünger im Boot erkennen Jesus nicht mehr. Mitten im Sturm halten sie ihn für bloße Einbildung. Ihr Vertrauen ist weggefegt. Doch Jesus geht nicht vorbei, sondern bleibt im Durcheinander bei ihnen.

Was prägt den kirchlichen Alltag? Ist es die Gewissheit, dass Jesus mit unterwegs ist oder steigen immer neue Schreckensszenarien in uns auf? Angst haben ist immer eine Sache des Kopfes. Jesus spricht zu unseren Herzen: „Fürchtet euch nicht, ich bin da.“


02.08.2020 - 18. Sonntag im Jahreskreis 

Evangelium: Matthäus 14,13-21

Bild von Couleur auf Pixabay

In jener Zeit, als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück.
Aber die Volksscharen hörten davon und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach. Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken. Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen! Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier. Er antwortete: Bringt sie mir her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische,
blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten und alle aßen und wurden satt.
Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder.

 

Nachgedacht:

Was macht uns im Leben wirklich satt? Was nährt unser Leben?

Das heutige Evangelium antwortet: Die Art und Weise, mit der Jesus die Texte der Bibel für die Menschen seiner Zeit und uns Heutige auslegt, lässt aus trockenen Worten nahrhaftes Brot werden. Wie Jesus die Bücher der Propheten deutet als auch die Geschichte seines Volkes neu interpretiert, lässt diese zu einer Speise werden wie es auch Fisch damals war.

Jesus zeigt eine neue Sicht von Gott. Er liest mutig die alten Texte der Bibel neu. Uneingeschränkt bekennt sich Jesus zu dem Gott, der nur lieben kann! Für ihn steht Gott immer an der Seite der Menschen.

In den Gemeinden müssen sich Menschen jedoch fragen, was ihnen wichtiger ist: das neuartige Brot, das Jesus reicht oder das Wiederkäuen dessen, was man eigentlich schon lange satt hat.


26.07.2020 - 17. Sonntag im Jahreskreis 

Evangelium: Matthäus 13, 44–46

Bild von 1820796 auf Pixabay

In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war.
Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin,
verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß,
und kaufte sie.

 

Nachgedacht:

Die Deutschen sind Schnäppchenjäger. Das Evangelium berichtet von einem Kaufmann, der rechtzeitig zulangt. Er setzt dabei alles auf eine Karte. Wegen der einen Perle, die er mit immensen Gewinn zu verkaufen hofft, will er sich von allem anderen trennen. Das ist ein großes Risiko.

Wer von Jesus glauben lernen will, muss sich von allem trennen, was man ihm oder ihr mal im Religionsunterricht beigebracht hat. Es gilt, sich die Eindeutigkeit anzueignen, mit der Jesus von Gott spricht. Jesu Gott, der Abba, liebt mich vorleistungsfrei, bedingungslos und trotz aller Schuld. Nur diesen Gott sollte es in meiner Vorstellung noch geben. Die anderen unguten Bilder darf ich getrost entsorgen – auch um den Preis der Einseitigkeit.

Darin liegt das Wagnis der heutigen Einladung. Ist der Gewinn mir es wert?


19.07.2020 - 16. Sonntag im Jahreskreis 

Evangelium: Matthäus 13,24-30

Bild von Gerald Friedrich auf Pixabay

Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach:
Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Als nun die Halme wuchsen und Frucht brachten, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du also, dass wir hingehen und es ausjäten? Er sprach: Nein, auf dass ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt in meine Scheune.

 

Nachgedacht:

In früheren Zeiten war das Getreide oft mit Pflanzen verunreinigt, die eine äußerliche Ähnlichkeit zu Weizen oder Roggen aufweisen, aber giftige Inhaltsstoffe besitzen. Diese müssen nicht immer zum Tode führen, oftmals gibt es einfachere Vergiftungserscheinungen.

Eine dieser Pflanzen ist der „Taumellolch“. Wenn Jesus sein heutiges Gleichnis erzählt, dann warnt er uns. Nicht alles, was fromm aussieht, dient auch dem inneren Wachstum des Menschen. Auf dem Acker gerade des kirchlichen Lebens wächst auch viel ungenießbares Zeug! Das, was nährt, ist nicht leicht immer von dem zu unterscheiden, was das Leben religiös vergiften kann. Es braucht Erfahrung – und einen erfahrenen Begleiter. Jesus ist so einer: Ihm und seiner Rede vom Abba, der mich bedingungslos liebt, kann ich vorbehaltlos vertrauen.


12.07.2020 - 15. Sonntag im Jahreskreis 

Lesung: Jesaja 55, 10-11

Bild von Gundula Vogel auf Pixabay

Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.

 

Nachgedacht:

Wer ein Wort zu jemandem sagt, will Antwort. Gottes Wort will eine Antwort des Menschen. Dann kann sich sein Wille im Alltag ganz entfalten. Nun geschieht Gottes Wort nicht so, dass man irgendwelche Stimmen hört. Und auch ist die Bibel für viele ein Buch mit sieben Siegeln, dass man ratlos zuklappt.

Wichtiger ist jedoch das Wörtchen „Gott“ selbst. Denn wenn das Wort „Gott“ in uns nichts mehr zum (unruhigen) Schwingen und Klingen bringt, dann nützt auch das schriftliche Gotteswort nichts – und sei es in noch so kostbare Einbände gebunden. Weil Gott da ist, weil er verborgen gegenwärtig ist, sind Menschen zur Antwort herausgefordert.

Gott spricht uns nicht nur an, sondern spricht unsere Namen dabei immer auf neue Weise aus.

„Um Antwort wird gebeten …“ So kann unser Leben zur Fülle hin reifen.


05.07.2020 - 14. Sonntag im Jahreskreis 

Evangelium: Matthäus 11,25-30

Bild von Aamir Mohd Khan auf Pixabay

Nachgedacht

Auf Flohmärkten findet man oft Bilder, die Jesus als einen schönen Mann mit gepflegtem Vollbart, weichen Gesichtszügen und warmem Blick aus den Augen zeigen. Die Szene wird von pastellfarbenen Landschaften gerahmt.

Auf einem solchen Hintergrund wirkt die Einladung des heutigen Evangeliums sehr süßlich … „die ihr mühselig und beladen seid!“

Jesus war ein erfahrener Bauhandwerker. Seit seiner Jugend mit dem Vater auf Montage auf den Baustellen Galiläas. Ein Mann des Volkes mit Schwielen an den Händen. Und er sagt: „Kommt zu mir. Ich verschaffe euch Ruhe. Ich weise euch den Weg zu Gott ohne, dass Ihr belastende Regeln einhalten müsst.“ Das klingt nach starken Schultern. Da spürt man zupackende Hände, die Menschen festhalten können. Wenn ich im Leben schlapp mache, brauche ich so einen Typen.


28.06.2020 - 13. Sonntag im Jahreskreis 

Evangelium: Matthäus 10,37-42

Bild von Clay Banks auf Unsplash

Nachgedacht

Christen sind Menschen wie alle anderen auch. Sie versuchen, so gut wie möglich zu leben. Dabei orientieren sie sich an der Art des Menschseins wie Jesus es gelebt hat: offen für andere und entschieden für Gott! Natürlich ist dieser Lebensentwurf nicht für alle Mitmenschen eine Blaupause. Das bedeutet nicht, dass Christen ihren Weg zum gelungenen Menschsein alleine gehen. Sie haben mehr Weggefährten als sie oft auf den ersten Blick erkennen. Oft ist viel „Kirche“ bei denen zu finden, die offiziell gar nicht dazugehören. Man sollte solche Verbündete nicht gering achten. Dass das Leben der anderen gelingt sollte das Ziel jeglicher menschlicher Gemeinschaft sein, unabhängig davon, was jemand glaubt. Das verlangt Respekt von allen Seiten. Den Traum von einem menschlichen Leben leben nämlich viele!


21.06.2020 - 12. Sonntag im Jahreskreis 

Evangelium:Matthäus 10,26-33

Bild von karosieben auf Pixabay

Nachgedacht

Keiner ist zum Helden geboren! Menschen posaunen ihre Meinung oftmals ungefragt und laut heraus, aber wenn es wirklich darauf ankommt, schweigen sie. Dafür gibt es in der großen Geschichte der Welt wie auch in der kleinen des Alltages viele Beispiele.

Das Evangelium des heutigen Sonntages fordert zum Bekenntnis auf. Damit sind sicherlich keine großspurigen Aktionen und Leserbriefe gemeint. Sich zu Jesus bekennen heißt, sich seine Menschenfreundlichkeit und versöhnte Lebensart anzueignen. Um in diesem Sinne zu wirken, reicht oft schon ein kurzer Blick in Familie und Nachbarschaft. Ein versöhnendes Wort, ein aufmunternder Blick sind oft größere Bekenntnisse als große Reden über das, was „man“ mal ändern müsse.

Wichtig ist aber die Haltung, die einem solchen Zeugnis vorausgeht. Es ist das Vertrauen in einen Gott, der zusagt: „Ich bin bei Dir!“ Aber dazu gehört auch die Einsicht, dass er auch bei denen ist, die es mir gerade schwer machen.


14.06.2020 - 11. Sonntag im Jahreskreis 

Evangelium: Mt 9,36-10,8

Bild von Gordon Johnson auf Pixabay

Nachgedacht

Bei vielen Gelegenheiten müssen Teilnehmerlisten geführt werden. Damit wird die Anwesenheit eines Menschen dokumentiert.

Das heutige Evangelium beinhaltet auch eine solche Teilnehmerliste. Der Text erzählt, dass Jesus seine Freunde ausschwärmen lässt, damit sie in seinem Namen den Menschen die Nähe Gottes bezeugen.

Später scheint man in diesen Text eine Liste mit Namen eingefügt zu haben. Da werden die Freunde auf einmal zu Aposteln, zu Sendboten. Sie sind nun Menschen mit einem besonderen Auftrag. Eine bunte Mischung schräger Vögel hat Jesus hier an den Start gebracht. Das ist ein Wink an uns. Wir sind mit dabei, Jesus hat uns mit eingeplant. Alle können sich ausgesandt wissen zu den Menschen ihrer Umgebung. Dabei wird ein gewinnendes Verhalten durchaus mehr erreichen als viele gute Worte.


07.06.2020 - Dreifaltigkeitssonntag 

Lesung: 2. Korintherbrief 13,11-13

(Bild von StockSnap auf Pixabay)

Nachgedacht:

„Gott,

das sind immer drei.

Sie lieben einander

und sind darin eins

bei euch zu wohnen.“

So sagt es Teresa von Avilà. Ein mutiger Gedanke. Wenn an diesem Sonntag der Drei-Einigkeit Gottes gedacht wird, dann ist das zum einen nichts besonderes. Denn bei jedem Kreuzzeichen erinnern wir uns an die drei, an den Vater, den Sohn und den Geist.

In der Gesamtheit sprechen wir sie mit „Du“ an.  Wir dürfen sie aber auch als „ihr, meine drei“ ansprechen. Das hat auch eine andere Nonne mal so getan. Dieser Sonntag lädt ein, beim Beten mal was ganz Verrücktes auszuprobieren. Den Abba anzureden und Jesus – und zwar auf meine Weise. Auch zum Heiligen Geist darf ich sprechen – und die ist weiblich! Drei sind eins und einer drei. Dieser Sonntag stellt Mathematik und deutsche Grammatik mal so richtig auf den Kopf.

Und hier noch was zum weiterhören: Podcast zum Dreifaltigkeitssonntag – Trinitatis


31.05.2020 - Pfingsten 

Lesung: Apostelgeschichte 2,1-11

(Bild von Suhas Rawool auf Pixabay)

Nachgedacht:

Feuer ist gefährlich.  Wind, der zum Sturm wird, fegt alles zusammen, was nur noch wackelig zusammenhängt. Tauben sind fliegende Abwurfmaschinen für ihre Fäkalien .

Das Neue Testament gebraucht diese Bilder, um vom Heiligen Geist zu reden. Pfingsten ist sein Fest, und es steckt Dynamit drin. Die Gefährlichkeit des Heiligen Geistes liegt darin, dass er Altes und Morsches beseitigt. Er erinnert, dass wir mit Ereignissen zu rechnen haben, die das Gewohnte hinter sich lassen. Der Geist kann mich auch mal bekleckern, so dass meine hübsche Fassade hinfällig wird.

Allerdings hat der Heilige Geist auch eine schwache Seite. Wenn Menschen sich abschotten und vor ihm dicht machen, kann er nicht rein.  Aber er hat eine Geheimwaffe: Er legt – als Taube – die Eier, welche andere für ihn ausbrüten werden.

24.05.2020 - 7. Sonntag der Osterzeit 


Lesung: Apostelgeschichte 1,12-14

Bild von MikesPhotos auf Pixabay

Nachgedacht:

Die Freunde und Freundinnen von Jesus ziehen sich in eine freiwillige Quarantäne zurück. Sie tun dies in der Gewissheit, dass irgendetwas Großes passieren wird.

Dicht gedrängt und ohne Abstandsregeln hocken sie da im Obergeschoss zusammen. Die Erzählung vom Gebet der Urgemeinde weist auf etwas wichtiges hin: Eine kleine Truppe soll zur „Kirche“ werden. Die Kirche ist eine Gemeinschaft, die Gott selber gehört.

Die Geschichte mit Gott fängt also immer damit an, dass Menschen es miteinander aushalten. Am „Du“ wird man zum „ich“ hat ein Philosoph gesagt. Indem ich mich im Zusammenleben mit anderen erfahre, kann ich offen werden für die Erfahrung Gottes in meinem Alltag.

Das Überraschende ist, dass Gott keinen Einheitsbrei will, sondern dass erst die Vielfalt der Menschen diese Kirche ermöglicht.


21.05.2020 - Christi Himmelfahrt 

Lesung: Apostelgeschichte 1,1-11

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Nachgedacht:

Jesus ist nicht weg! Er ist gestorben, das stimmt. Aber Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass er hier ist. Immer, wenn man sich an ihn und sein Leben erinnert. Und wenn das Brot gebrochen und der Wein geteilt wird – wie Jesus es getan hat. Dann ist er wahrhaft mit Händen zu greifen. Jesus ist hier und gleichzeitig bei Gott. Dies ist seine neue und verborgene Gegenwart.

Unsere Zukunft wird sich genauso gestalten. Diese Hoffnung feiern wir heute. Wir werden bei Gott sein und bei allen, die vor uns gelebt haben. Zugleich werden wir weiterhin mit denjenigen unterwegs sein, die mit uns hier auf dem Weg sind. Alles ist anders, aber es ist Wirklichkeit. Jesu Himmelfahrt ist ein verborgenes Ereignis, doch ein reales. Alle, die wir hier lieb hatten, haben es erfahren. Wir dürfen es noch erleben.


17.05.2020 - 6. Sonntag der Osterzeit 

Evangelium:1. Petrusbrief 3,15–18

Bild von Pezibear auf Pixabay

Nachgedacht:

„Und, wie geht’s so?“ – „Ich lebe, hast du mehr zu bieten?“

Wer so antwortet, zeigt, dass er oder sie aus einer Hoffnung lebt. Hoffnung zu haben, bedeutet, dass ich Vertrauen in das Leben habe. Ich weiß mich getragen in allen Lebensphasen. Ich kann dem einen Namen geben und es „Gott“ nennen, ich muss aber nicht.

Hoffnung ist kein Gefühl. Sie ist die Gewissheit, dass wenn mich vieles umwerfen kann, diese Erde mich letztlich trägt. Morgen wird wieder die Sonne aufgehen trotz allem, was ich heute an Dunkelheit erleben musste.

Hoffnung hat viel mit mir selbst und wenig mit den Umständen meines Alltags zu tun. Auf mich und meine Gefühle zu achten, ist dann der erste Schritt, Hoffnung einzuüben. Hoffnung ist eine Ranke, die an mir hochwächst, wenn ich mich im Boden der Wirklichkeit verwurzelt weiß.


10.05.2020 - 5. Sonntag der Osterzeit 

Evangelium: Joh 14,1-12

Bild von Pete Linforth auf Pixabay

Nachgedacht:

Menschen bevorzugen das Landleben, obwohl vielen klar ist, dass die Annehmlichkeiten der Stadt fehlen. Andere wünschen sich mehr Stadt ins Dorf gerade in Bezug auf Kultur, Freizeitmöglichkeiten und den öffentlichen Nahverkehr. Auf diesem Hintergrund klingt das Wort von den „Wohnungen“ nach Mietskaserne und Plattenbau.

Der „Himmel“ ist kein Ort. „Himmel“ ist Hoffnung auf die endgültige und erfüllende Begegnung. Sich auf Jesu Art zu glauben und zu leben einzulassen, heißt, sich auf ein Ziel hin unterwegs zu wissen. Dieses Ziel heißt Gott. Er umgibt mich dann ewig mit Liebe und Leben. In ihm erfahre ich somit eine Geborgenheit wie in einer gemütlichen und sicheren Wohnung. Er selbst wird mir zur Heimat!

So eine Hoffnung kann Räume im Alltag öffnen – dann geschieht Himmel schon hier und jetzt.


03.05.2020 - 4. Sonntag der Osterzeit 

Evangelium: Joh 10,11-18

Bild von bhart9070 auf Pixabay

Nachgedacht:

„Ich bin die Tür.“ Ein starkes Wort. Türen öffnen Räume oder grenzen sie gegen Unbefugte ab. Jesus will Räume zum Leben ermöglichen, indem er allen Menschen von seinem Gott erzählt. Es ist ein Gott, der Menschen liebt ohne, dass sie eine Vorleistung erbringen müssen oder Bedingungen zu erfüllen haben. Gottes Liebe gilt trotz aller Schuld, die Menschen auf sich laden. Sich an der Botschaft Jesu von diesem Gott zu orientieren, hilft, sich gegen falsche Vorstellungen und krankmachende Gottesbilder abzuschirmen. Die gibt es nämlich auch heute noch!
„Ich bin die Tür“. Das ist die Einladung, einzutreten in neue Räume, um die Begegnung mit Jesus zu wagen. Von Jesus können wir lernen wie das Menschsein funktionieren kann. Er hat riskiert zu vertrauen – und damit verschlossene Türen aufgestoßen …


26.04.2020 - 3. Sonntag der Osterzeit 

Evangelium: Apostelgeschichte 2,14.22–33

Nachgedacht:

Bild von congerdesign auf Pixabay

„Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen.“

Es ist mutig, für etwas einzustehen, was man nicht „beweisen“ kann. Die Freunde Jesu bekennen sich trotz seines Todes weiterhin zu ihm.  Für sie bleibt er lebendig! Dies Kapitel ihres bisherigen Lebens ist noch nicht abgeschlossen, es wird fortgesetzt.

Das ist es: An Jesus festhalten. Gerade wenn andere sagen, dass es ihn nicht gibt oder niemals gab.  Er ist da, aber unseren Augen verborgen.

Darum sind wir auf Menschen angewiesen, die „Zeugen“ sind. Nicht weil sie dabei waren als das erste Ostern geschah, sondern weil sie Jesus als Lebendigen erfahren haben. Dies wäre der Auftrag der Kirche trotz ihrer Schwäche.

Wie geht das: glauben, dass da einer lebendig ist, den man nie „in echt“ kennengelernt hat? Eine Antwort wäre, so zu beten: „Du, Jesus, bist jetzt hier.“ Das klingt verrückt.

Doch wenn wir still werden und ruhig dieses Bekenntnis sprechen, könnte Spannendes geschehen …


19.04.2020 - Weißersonntag 

Evanglium: Joh 20,19-31

Bild von Ulrike Leone auf Pixabay

Nachgedacht:

Die Krise um den Covid-19-Virus zeigt es deutlich. Der Mensch und das, was er tut ist verwundbar. Äußere Wunden heilen zumeist nach einiger Zeit. Wie ist das mit den Wunden, die im Verlauf des Lebens im Menschen selbst aufgerissen werden? Menschen verletzen Menschen. Diese Wunden werden nicht offen gezeigt. Sie werden versteckt, manchmal wie unter einem Panzer. Manche Wunden werden auch offen gehalten. Das entbindet dann von der eigenen Verantwortung für sich selber.

In den katholischen Gottesdiensten an diesem Wochenende wird die Geschichte von der Begegnung zwischen Jesus und seinem Freund Thomas vorgelesen. Thomas will nicht so einfach glauben, was ihm die anderen Freunde erzählen, nämlich dass Jesus lebt. Er stellt eine Forderung: Jesus soll sich ihm als Verwundeter zeigen, denn so hat Thomas ihn in Erinnerung. Die Geschichte erzählt, dass sich Jesus darauf einlässt. Mehr noch: Jesus fordert Thomas auf, zuzupacken, und seine Wunden zu berühren.

„Zeig‘ mir Deine Wunde!“ Wer diese Aufforderung ausspricht, muss sich den Lebensverläufen der so angesprochenen Mitmenschen aussetzen und sie ernst nehmen. Jedoch ist dies auch eine Einladung, das, was sich an Erfahrung und Verletzung in eigene Leben gegraben hat, nicht weiter zu verstecken. Nur, was offen liegt kann auch heilen. Das ist nicht nur ein medizinischer Grundsatz.

In Jesus ist der Gott mit weicher Seite erfahrbar. Er ist kein Gott für harte Typen, sondern wendet sich denen zu, die in ihrem Dasein verletzt wurden.  Ostern wischt nichts von dem weg, was an Verwundungen erfahren wurde. Im verletzten Jesus strahlt letztlich aber das Leben auf, welches sich an Ostern als unbesiegbar erwiesen hat. Thomas hält daran fest, dass die Wunden Jesu wortwörtlich die Durchbruchstellen des neuen Lebens sind.


12.04.2020 - Ostersonntag 

Evanglium: Joh 20,1-9

Nachgedacht:

Ostern ist das Fest der Auferstehung. Das sagt sich locker dahin, aber was ist das: Auferstehung? Die Bibel gebraucht auch das Wort Auferweckung. Aha … Das kennen wir. Da wird jemand aus dem Schlaf geholt und wach gemacht.

Jesus lebt. Darum geht es. Der Vater hat ihn aufgeweckt, wach gemacht und aus dem Todes-Schlaf geholt. Jesus ist jetzt sein aufgeweckter Junge! Ostern verspricht uns dasselbe. Auch wir werden nicht das Leben verschlafen, sondern wach hineingehen.

Unser Leben ist unzerstörbar, es hat einen Wert. Und die Ewigkeit beginnt schon hier und jetzt. Darum ist Ostern auch ein Auftrag: Es gilt für das eigene Leben und das der anderen aufzustehen, wenn ungute Kräfte es einschläfern wollen … Aufstand machen und auferstehen – das gehört zusammen.

Aufstand machen!


11.04.2020 - Karsamstag 

Lesung: Hosea 6,1-2

Nachgedacht:

Es gibt nichts zu tun. Jesus liegt im Grab. Er kann nichts mehr machen. Seine Freunde sind hilflos. Ratlosigkeit macht sich breit. Absoluter Shutdown. Es herrscht Grabesruhe und Totenstille.

Wir müssen warten. So geht es uns schon seit Wochen seitdem die social distance in Deutschland verordnet wurde.  Viele fühlen sich dabei hilflos.

Das ist schwer aushalten. Manche meinen auch, dass sie dabei verrückt werden.

Wir tun uns schwer, die Dinge in unserem Leben einfach geschehen zu lassen. Dennoch: Vieles was wichtig ist, entzieht sich unserer Macht. Es ist wie beim Wachsen der Saat: auf einmal steht das Getreide da …

Es gilt zu lernen, dass das wirklich Wichtige im Leben ein Geschenk ist, das dort heranreift, wo wir selber keinen Zugriff haben.


10.04.2020 - Karfreitag 

Bild von Pete Linforth auf Pixabay

Lesung: Hebr 4,14-16 + Hebr 5,7-9

Nachgedacht:

Jesus leidet am Kreuz und stirbt. Doch gibt es noch eine andere Sicht: Jesus, der am Karfreitag als der große Verlierer gilt, geht als Sieger vom Platz! Das Kreuz stellt alles auf den Kopf. Um das zu erkennen, muss man aber genauer hinsehen.

Es wird heute zwar an den gewaltsamen Tod Jesu gedacht, doch auch an das Mit-Leiden Gottes. Gott ist immer anders! Wo wir uns einen Helden wünschen, ist er schwach. Wo wir meinen, ihm sind Menschen egal, leidet er mit. Gott steht an der Seite von Menschen, denen durch andere weh getan wird.

Das Kreuz ist ein Zeichen der Hoffnung, dass in der Welt nicht alles so bleiben wird wie es derzeit scheint. Unser Gott arbeitet schon daran, die Situation der Welt zu verändern. Dafür steht der gekreuzigte Jesus ein.


09.04.2020 - Gründonnerstag 

Lesung: 1. Kor 11,23-26

Nachgedacht:

Bild von hudsoncrafted auf Pixabay

Jesus war ein geselliger Mensch. Abends hielt er immer zum Tagesabschluss ein Mahl mit seinen Freunden.

Irgendwann war es das letzte Mal, das er mit den Freunden zusammenkam. Er hatte sich mit den Mächtigen angelegt. Er wusste: Es wird eng. „Bald bin ich hier weg vom Fenster.“

Was wird dann bleiben von dem, was Jesus getan und gesagt hat? Was hilft gegen die Angst, welche die Freunde Jesu haben, weil er dann nicht mehr da ist?

Wie bei jedem abendlichen Mahl nimmt Jesus auch das letzte Mal wieder das Brot, um es zu segnen, zu brechen und mit den Freunden zu teilen. Er spricht ein neues Wort dazu: „Ich bleibe bei euch!“

Daran denken wir heute: Du Jesus bist da. Wir glauben dir das. Du bist immer da, egal ob mit oder ohne Brot.


05.04.2020 - Palmsonntag 

Evangelium: Mt 21,1-11 

Bild von Free-Photos auf Pixabay

Nachgedacht:

Jesus ist König der kleinen Leute. Er versteht die kleinen Leute. Er hört den Prostituierten zu. Er hat ein Herz für Miethaie und Gescheiterte. Alle spüren: Da hat einer eine gute Meinung von mir.

Menschen brauchen solche Begegnungen. Mit Jesus ist Hoffnung verbunden. Nicht auf einen großen Lottogewinn, sondern eine Liebe, die mich trägt. Wir brauchen die Erfahrung, dass auch wir was wert sind. Jesus hat das in seinen Begegnungen und Heilungen die Menschen spüren lassen.

Er unterscheidet sich von denen, die es bestenfalls nur gut meinen, es aber schlecht machen. Deswegen feiert dieser Tag Jesus als König. Wir hoffen: Jesus macht es am Ende gut!

Darum wird er von uns erwartet. Auch wenn sein Weg nicht einfach werden wird …


29.03.2020 - 5. Fastensonntag 

Evangelium: Joh 11,1-45

Bild von Jackson David auf Pixabay

 

Nachgedacht:

„Das kannst Du nicht!“ „Aus Dir wird nie was!“ „Sei nicht undankbar!“ Solche Sprüche nehmen die Luft zum Atmen und wickeln Menschen ein. Auch mit dem Gegenteil kann man Menschen am Leben hindern: „Lass mal, ich mach das!“ „Das sollen mal ruhig die anderen machen.“ Indem Menschen anderen Menschen sagen wie diese zu sein haben, was sie tun oder lassen sollen verhindern sie Leben. Der Alltag wird zur Grabhöhle.

„Lazarus, komm heraus!“ Jesus spricht die Ermächtigung zum eigenen Leben aus. Die Binden, die Menschen umwickeln sollen zerrissen werden. Verkehrten Bindungen gehören abgestreift. Wo Menschen andere Menschen festbinden wollen gilt es zu widerstehen!

„Komm heraus!“ „Verlass dein Schneckenhaus. Steig aus den Gräbern des Alltags heraus.“ Jesus macht dazu Mut. Auferstehung hat mit Aufstand zu tun. Manchmal muss man Aufstand machen, um Fesseln abzustreifen und frei zu atmen. Vielleicht fühlt man sich anfangs unsicher. Macht nichts. Lieber wacklig ins Leben als steif im Grab …